»Ich möchte in Berlin bleiben«

single party berlin köpenick Meldung aus dem Archiv vom 29.06.2017

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© Oliver Lang

single party berlin charlottenburg studenten single party berlin Schauspieler, Moderator, Sänger, Society-Experte, Instagram-Star: Ralph Morgenstern hat sich in seiner 40-jährigen Entertainmentkarriere nie festlegen lassen. Auch beim Wohnort nicht, nach mehr als drei Jahrzehnten in Köln zog er 2013 nach Berlin. Treu blieb er sich bei seinem Engagement für die Rechte von Homosexuellen. Für ein Interview im BVG-Kundenmagazin PLUS trafen wir Ralph Morgenstern zum Gespräch in seiner Wahlheimat Charlottenburg.
 
partnersuche de abmeldung unterlagen Weshalb haben Sie nach über 30 Jahren Köln gegen Berlin getauscht?
Ich arbeite in Berlin schon seit den 80er-Jahren immer wieder, kenne die Stadt seitdem wirklich in allen Aggregatzuständen. Ich habe hier gearbeitet, als die Mauer gefallen ist, danach, davor. Als dann mein guter Freund Dirk Bach starb, wir wohnten in Köln zusammen, und ich am Renaissance Theater zwei Stücke spielte – da dachte ich mir dann vor vier Jahren: Eigentlich könnte ich jetzt auch hierbleiben. Und dann zog ich nach Charlottenburg. Das war mir vertraut, weil ich hier sehr viel gearbeitet hatte. Und ich wollte zum Theater laufen können. Das ist in Berlin ein großer Luxus, zur Arbeitsstelle laufen zu können und nicht die BVG zu benutzen. (lacht)
 
partnersuche ch sie sucht ihn quoka Na also, bitte!
Das mache ich privat natürlich. Ich finde Busfahren sehr witzig, da habe ich immer  das Gefühl, ich bin im Urlaub und mache eine Stadtrundfahrt durch Berlin. Aber wenn ich zur Arbeit laufen kann, dann bin ich schnell da, kann in den Pausen auch mal nach Hause. Eigentlich wollte ich hier in Charlottenburg nur vorübergehend eine Wohnung nehmen und dann mal gucken, jetzt fühl ich mich aber so wohl, dass ich auch hierbleiben möchte.
 
rocker single party berlin Was hat denn Berlin, was Köln nicht hat?
Für mich ist es schon eine große Überlegung, wo ich in Deutschland alt werden möchte. Wo habe ich einen hohen Freizeitwert, wenn ich nicht mehr so richtig laufen kann? Wo habe ich genug in der Umgebung an Restaurants? Wo wird etwas für alte Leute geboten? In Köln ist das schon etwas schwieriger, auch, wenn man mal ausgehen will. Hier habe ich ja immerhin noch Clärchens Ballhaus, wo ich noch das Tanzbein schwingen kann, donnerstags, beim Tango (lacht). In Berlin kann ich mir vorstellen, im Alter zu leben. Man hat so viel Kultur, es gibt so viel zu sehen, ich bin schnell an den Seen, ich bin schnell in Warschau, wenn ich mal demonstrieren will für homosexuelle Rechte oder überhaupt für Menschenrechte. Ansonsten ist es natürlich ein bisschen dezentral, das gebe ich zu. Aber Berlin bietet einfach so viel.
 
single party berlin reinickendorf Und Köln?
Köln hat mir sehr lange sehr viel geboten, 37 Jahre habe ich dort gelebt und meine Tochter, die ich liebend gerne besuche, lebt dort noch immer. Köln war für mich jahrzehntelang die einzige Möglichkeit, in Deutschland zu leben, als Berlin noch eine Mauer hatte. Ich will noch nicht so weit gehen, dass ich sage, ich bin jetzt in Berlin  angekommen, aber ich möchte hier erst einmal nicht wieder weg, sagen wir mal so.
 
frauen chat kostenlos youtube Sie haben Ihre künstlerische Laufbahn als Popstar begonnen.
Ich zog damals von meinem Geburtsort Mülheim an der Ruhr nach Köln. Mein  damaliger Freund war mit Zeus B. Held befreundet, dem Keyboarder der Gruppe Birth Control. Der startete gerade das Popgruppen-Projekt „Gina X Performance“, in dem ich dann bis 1982 war. Parallel hatte ich zu Beginn beim WDR kleine Statistenrollen, war Statist an der Kölner Oper, stand mit René Kollo im „Fliegenden Holländer“ auf der Bühne. Das machte ich, um mir von dem Geld erlauben zu können, in Köln zu leben und Theater zu spielen. Über die Popband lernte ich Walter Bockmayer kennen und begann 1984 mit dem Theaterspielen.
 
frauen suchen skype kontakte Damals spielten Sie im Theater in der Filmdose.
Das erfolgreichste Stück dort war „Die Geierwally“, 555 Aufführungen in eineinhalb Jahren, erst in Köln, dann weltweit. Das wurde dann später auch verfilmt. Wir machten „Future Boulevard“, möchte ich mal sagen, das waren ganz anarchische Sachen. Mit „Geierwally“ habe ich auch das erste Mal in Berlin Theater gespielt, wir waren vom Festival Theater der Welt eingeladen worden.
 
single party berlin eintritt 1992 ging es dann zum Fernsehen.
Im Theater in der Filmdose hatte ich mit Hella von Sinnen und Dada Stievermann die „Filmdosenshow“ moderiert, in der wir neue Talente vorstellten, viele junge Männer und Frauen, die heute sehr berühmt geworden sind. Eckart von Hirschhausen zum Beispiel. RTL gefiel das, und sie zeichneten drei Shows auf. Dann bin ich zu VOX, da bin ich sozusagen Gründungsmitglied, das Konzept der Sendung „XOV“ war ähnlich, ich stellte Kleinkünstler vor. Anschließend moderierte ich die Sendung „Klatschmohn“ beim WDR, das war der Vorläufer von „Kaffeeklatsch“, womit ich anschließend im ZDF zu sehen war und später mit „Blond am Freitag“.
 
single party berlin empfang Mit den Sendungen wurden Sie zum „Klatsch-Experten“ der Nation.
Ich lese die Hochglanz-Klatschmagazine immer noch sehr gerne. Die funktionieren im Ausland aber besser als bei uns, die deutschen Stars lassen die Magazine zum Beispiel nicht so gerne in ihr Wohnzimmer. Ich finde das sehr witzig zu sehen, wie die Kollegen leben - oder wie sie nicht leben, manchmal kennt man die Kollegen, kennt deren Wohnungen, und dann sieht man: Ach, das ist aber gar nicht bei denen zuhause, die haben sich für eine Homestory eine andere Wohnung gesucht …
 
tip single party berlin Sie betrachten der Promi-Klatsch und -Tratsch mit viel Humor.
Das Genre verdient, dass mit ihm mit Humor umgegangen wird. Man sollte die Geschichten nicht bierernst nehmen. Das Schöne an den Sendungen war: Wir sind immer erstmal davon ausgegangene, dass das alles wahr ist, was in den Magazinen stand. Das nahmen wir zum Anlass, um über die Person zu diskutieren. „Da guckt mal, und die machen das so, und bei denen zu Hause, die haben diese Badewanne, diese Dusche und da ist er mit seiner Geliebten und da sind die unehelichen Kinder…“ Also ich finde diese Geschichten zu spannend, ob sie nun stimmen oder nicht, das ist so eine moderne Hedwig-Couhrts-Maler-Nummer.
 
single party berlin tempelhof In den USA wirken Stars lockerer als bei uns.
Das hat damit zu tun, dass der deutsche Star in Deutschland gar nicht so viel gilt. Da muss man erst über das Ausland wiederkommen und dann sagt man: Oh, der dreht Filme in Hollywood, das ist ja ein ganz Toller. Nicht so bei Kollegen, die „nur“ Filme in Deutschland drehen. Deutsche Stars sind vielleicht auch deshalb eher vorsichtig. In den USA hat ein Kinostar zum Beispiel kein Problem, auch im Fernsehen  aufzutreten oder Fernsehserien zu machen. Wenn du in Deutschland einen Kinofilm gemacht hast, dann kannst du kein Boulevard-Theater spielen, weil dann alle denken …
 
single party berlin heute … Karriere vorbei.
So ist es. In Amerika kannst du großes Theater, kannst du Shakespeare spielen und kannst trotzdem ’ne Comedy-Serie haben. Ich finde, das ist der richtige Weg. Ich habe in Köln in Goethes „Faust“ den Wagner gespielt und parallel „Kaffeeklatsch“ moderiert. Unlängst war ich bei „Das große Backen“ bei Sat.1 und parallel dazu habe ich für die Staatsoper geprobt in Berlin. Diesen Spagat muss eine Karriere aushalten. In meiner – in diesem Jahr habe ich 40-jähriges Bühnenjubiläum – habe ich das immer so gemacht. Das interessiert mich an der Arbeit des Schauspielers, für mich ist das super. Ich spiele nicht in der Hollywood-Liga, aber ich bin noch da, haha!
 
single party berlin heiligabend Seit Ende Juni sind Sie in der Revue „Eine kleine Sehnsucht“ im Café Keese zu sehen, einer Produktion der Berliner Staatsoper.
Es geht es um die Akzeptanz von Menschen untereinander. Dabei schlagen wir einen Bogen von den 30er-Jahren in Berlin bis ins Heute. Die Staatsoper zieht ja zur neuen Spielzeit aus dem Schillertheater wieder in die Staatsoper Unter den Linden, und Intendant Jürgen Flimm wollte sich mit dieser Revue noch einmal bei den uns im Schillertheater treu Gebliebenen bedanken. Daniela Ziegler spielt einen Stammgast und ich einen Kellner, die jeden Abend im Café Keese sind. Außerdem spielen Mezzosopranistin Katharina Kammerloher und Sopranistin Adriane Queiroz mit, dazu wunderbare Kollegen vom Chor und Tänzer der Staatsoper. Dirigent und Arrangeur ist Kai Tietje, Regie führt Beate Baron und der großartige Jürgen Flimm schrieb mit seinen Dramaturginnen zusammen die Geschichte. Eine sehr schöne, sehr kreative Zusammenarbeit, wir singen und tanzen und lieben und fühlen eine große Sehnsucht.
 
singleboersen vergleich stiftung warentest Sie haben sich auch ein ganz neues Betätigungsfeld erschlossen: Instagram. Über 12.700 Fans verfolgen Sie da bereits.
Das ist schwere Arbeit! (lacht)
 
single party für geistig behinderte berlin Wie kam es dazu?
Mir ging es darum, die jungen Leute zu erreichen. Ds wollte ich einmal ausprobieren. Facebook ist mir zu anstrengend, da müsste ich Geschichten schreiben, da müsste ich jemanden von meiner Agentur daransetzen, der das pflegt. Bei Instagram gehts ja nur darum, Bilder hochzuladen. Ich bin ein alter Polaroid-Fan, und mich interessierte dieses Polaroid-artige von Instagram: Bilder hochzuladen, zwei, drei Worte darunter zu schreiben, zu kommunizieren und mich darzustellen für die jungen Leute. Und das klappt super. Sie fragen mich, wo ich wann spiele, und die kommen dann auch ins Theater, das hätte ich nie geglaubt. Ich bin zu einem großen Instagram-Fan geworden und verbringe da auch sehr viel Zeit, muss ich zugeben.
 
beste single party berlin 1998 haben Sie sich mit Ihrem Partner symbolisch auf Key West trauen lassen. In Deutschland gibt es seit 2001 die „eingetragene Lebenspartnerschaft“. Müsste Deutschland nicht eigentlich schon weiter sein?
Wenn ich mir unsere Nachbarn drum herum angucke – ja. In Deutschland haben wir nur eine Art „Ehe light“. Aber wir haben ein Grundgesetz, in dem es heißt: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Für homosexuelle Menschen gilt das offenbar leider nicht. Ich werde von den Regierungen in Deutschland seit Jahren diskriminiert, weil ich nicht heiraten darf, wen ich liebe. Das ist ein nicht haltbarer Zustand.
 
berlin bar single party Viele stören sich am Begriff „Ehe“.
Mir ist es egal, wie man es nennt. Ich will nur gerne gleich behandelt werden wie alle anderen in Deutschland auch. Das werde ich aber nicht, und deshalb habe ich unsere Trauung auch in Deutschland nicht nachtragen lassen oder eine Lebenspartnerschaft begründet, weil ich mit meinem guten Namen nicht den Anschein erwecken wollte, dass hier im Umgang mit homosexuellen Menschen alles in Ordnung ist. Denn das ist es eben nicht. Ich habe auch viel zu lange gekämpft und viel zu lange dafür demonstriert, dass es in Deutschland möglich ist, zu heiraten. Ich finde es schade, dass wir in Europa eines der letzten Länder sind, wo es das nicht ist.
 
single party behinderte berlin Am 22. Juli findet in Berlin der CSD statt. Welche Bedeutung hat der heutzutage?
Für mich musste es immer möglich sein, zu demonstrieren und sich und die Fortschritte, die schwul-lesbische Bewegungen errungen haben, zu feiern. Dann kam aber auch bei mir ein Umdenken. Der Rechtsruck in Europa ist ja nicht neu, und vielleicht gipfelt er ja auch noch nicht, aber zwischenzeitlich ist der Populismus weltweit erstarkt, nicht nur in Europa, es ist salonfähig geworden, politisch nicht korrekte Äußerungen zu tun, im Netz Leute zu diffamieren … Ich gebe mittlerweile den Leuten recht, die schon vor Jahren gesagt haben: Es ist eine Demonstration und wir müssen wesentlich politischer werden. Ich habe auch irgendwann gedacht, ich könnte mich aus der politischen Bewegung zurückziehen und das die jungen Menschen machen lassen. Das ist nicht aufgegangen, muss ich leider ein bisschen deprimiert zugeben, aber da müssen wir jetzt eben noch einmal kämpfen.
 
single party berlin brandenburg Ist die junge homosexuelle Generation nicht mehr so politisch?
Mich wundert es, dass manche heute sagen: Ne, Outing brauche ich nicht, es hat niemanden zu interessieren, was ich zu Hause mache und nach außen bin ich heterosexuell. Ich glaube, dass das eine große Falle ist, und hoffe, dass die jungen Leute da doch ein bisschen wacher werden. Denn jeder offen homosexuell lebende Mensch ist politisch, weil wir diskriminiert werden. Das muss sich jeder bewusst machen. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa, wenn ich mir zum Beispiel Polen ansehe. Aber auch in Russland, es ist schrecklich, wie Homosexuelle dort verfolgt werden. Aber wir haben eben auch vor unserer Haustüre noch genug zu tun. Also packen wir's an!
 

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